Montag, 5. Dezember 2016

6. Dezember - Nikolaustag

Carlsson dachte nach.

Es machte Sinn, einen weisen alten Mann kurz vor Weihnachten durch die Schulen zu schicken, um zu prüfen.

Es machte Sinn,
dass dies der lebenserfahrene, in der Regel gütige Bischof von Myra war.

Es machte Sinn, auf das Jahr zurück zu blicken.

Auf Licht und Schatten, Gelingen und Scheitern.

Es machte Sinn.

Wie, Orangen zu essen. 

Sonntag, 4. Dezember 2016

5. Dezember - Nikolausabend

Carlsson und Torben kümmerten sich um die Marktstände.

Ella verteilte derweil die Barbarazweige im Haus,
und kümmerte sich um die Stiefel für den Nikolaustag. 

Sie dachte nach.

An einem Tag schnitt man Zweige, an anderen brauchte man sie als Rute.

Nikolaus und Krampus, Licht und Schatten, Belohnung und Mahnung
gehörten zusammen.

Und machten den Advent vollständig.

Und Virga bedeutete nicht nur Zweig, Schößling, oder Rute sondern auch Szepter.

Und war ähnlich zu Virgo, dem jungen Mädchen, das ein Kind gebären sollte.

Bis heute hießen junge Obstbäume in England maiden...
Das war merkwürdig. Und machte Sinn.

...

Ella füllte Schuhe und hing ihren Gedanken nach.

4. Dezember - Barbaratag

Während Ella die Obstzweige im Haus verteilte, die Torben und Carlsson aus der Kirsche geschnitten hatten, hingen die Wichte schweigend ihren Gedanken nach.

Nach einer Weile sahen sie sich an, nickten, zogen Stiefel und Mützen an,
und gingen zur Werkstatt, Sachen zu holen.

Auf dem Weg nach draußen, beladen mit Schlägern, Bällen,
und allerlei Ausrüstung, begegneten sie Ella.

'Wir lernen jetzt Cricket.

Und veranstalten mit den Djinns ein Sommerturnier.'

...

Vier zerbrochene Fensterscheiben später,

- jedes Mal entschuldigten die Wichte sich, kehrten Scherben und ersetzten Scheiben -

kehrten sie zurück in die Stube, um sich aufzuwärmen.
 
Der Markt begann. Die Sonne leuchtete über dem stillen Wintertag.

Ella stellte schon einmal Picknickkörbe bereit. Sommer würde kommen.
Mit Cricket, Tee, Sandwiches und Erdbeerkuchen.

Der Zweite Advent begann.  

Freitag, 2. Dezember 2016

2. Dezember - Derweil

Manchmal schwiegen die Elfen.


Ella schnitt Zeitungsartikel aus und schob ihre Brille zurück auf die Nase.

'Schade. Ich hatte mich so auf den Gewürztee gefreut.'


Carlsson und Torben sahen sich an und sagten nichts.

Sie hoben die Schriftrolle auf die Schultern und gingen zum verwaisten Stand.

Dienstag, 22. November 2016

22. November - 'Mankind is my Business'

'Mankind is my Business.' - A Christmas Carol

'Menschheit - Meine Aufgabe.'

Carlsson murmelte den Satz vor sich hin, verschränkte die Arme und dachte nach.

Es war ein dunkler November.
Eins von diesen Jahren, in denen die Schatten länger fallen.

Carlsson kannte das.
Die Menschen vergaßen. Dann fürchteten sie sich.
Bis sie sich erinnerten. Dann vergaßen sie wieder.
Nur um sich neu zu fürchten und sich wieder zu erinnern.

Sie verloren den Weg, verirrten sich und fanden ihn wieder.

Man musste nur geduldig sein mit ihnen. Sie vergaßen so schnell.

In einer solchen Zeit und für eine solche Zeit war das Buch geschrieben worden, das vor Carlsson lag. 


Sie hatten beschlossen, diesen Advent langsam und sorgsam anzufangen.

Das Abenteuer dieses Jahres war bereit.

Es würde um das Buch und um die Marktelfen gehen.

Derweil saß Ella Elf am Schemel, der ihr als Tisch diente, und schrieb Zettel.

In einer Zeit wie dieser war Schokolade wichtig.


Die Elfen verstanden gut.

Sie tröstete die Menschen und stärkte ihre Nerven.

Ella füllte daher den Adventkalender ihrer Menschen.

Sie wollte, dass in diesem Advent die Menschen nicht nur Schokolade aßen.

Und legte daher für jeden Tag einen Zettel dazu.

Etwas zu tun, etwas zu sehn, etwas zu hören.


'Mankind is my Business.'

Carlsson dachte. Ella summte vor sich hin.
 
 

Montag, 7. November 2016

7.11. Es beginnt

Carlsson betrat seine kleine Stube, stellte Rucksack und Stiefel ab, schüttelte seinen kurzen Mantel aus.

Es regnete heftig. Einige Schneeflocken mischten sich darunter.

Er schürte das Feuer im kleinen Ofen.

Dann öffnete er den Rucksack und legte das Buch heraus,
das Ella ihm mitgegeben hatte.

Es bedeckte fast seinen ganzen Tisch.

Dieses Mal brauchte Carlsson keine Bronzebrillen und schweren Samthandschuhe.

Es war kein Elfenbuch, sondern ein Menschenwerk.

Und auf dem schweren, schwarzledernen Einband stand:

'A Christmas Carol - Eine Weihnachtsgeschichte.'

Carl kochte sich Tee. Und begann zu lesen.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

24. Dezember - Heilig Abend

Der Markt war zu Ende.

Gäste gingen. Händler begannen, ihre Stände aufzuräumen.

Carlsson und Rehwald machten eine Runde, um alles zu sichten.

Ruhe kehrte ein. Der Abbau würde nach Weihnachten beginnen.

...

Torben hatte Carlsson beim Sichten der Lichterketten geholfen,
und für Lichtmeister Horst eine Liste erstellt.

Dann hatte er sich Lailas Teppich ausgeborgt, stand nun vor einem Gartentor, und öffnete es mit 'Dann wollen wir mal', um erst mal den versammelten Regenwürmern eine Ansprache zu halten.

...

Ella saß in ihrem neuen Haus in einem Bücherregal, inspizierte die gesammelten Kochbücher, die wissenschaftlichen Werke und die Atlanten.

Sie wollte zwar gerne das eine oder andere noch bestellen,
aber konnte so arbeiten.

...

Später, kurz vor Mitternacht, holte Carlsson Laila aus dem Klunkhardshof ab.

Beide gingen zwischen den Buden über den nun stillen Markt.

Carlsson gab den pulsierenden Beutel mit den Herz des Advent mit einer tiefen Verbeugung, guten Wünschen und einer großen Käsekante an die Kirchenmaus zurück.

Dann nickten sich Carl und Laila zu.

Carlsson stieg in sein Kletterzeug, Laila schwebte sanft den Kirchturm von St. Jakobus hinauf.

Sie trafen sich an der Wetterfahne mit Mond und Stern, die der Brömserritter nach seiner Rückkehr 'aus maurischer Gefangenschaft' gestiftet hatte.

Er hatte sich auf dem Jakobsweg total verlaufen, war erst mal gründlich aufgepäppelt worden, und war mit neuen Sprachkenntnissen, nach Rosenwasser duftend, mit Marzipan und Orangenkompott in den Taschen zurückgekehrt.

...

Carlsson und Laila warteten. Als die Turmuhr anfing, zwölfmal zu schlagen, nickten sie sich zu und begannen, die Wetterfahne von Jakobus im Takt zu drehen. Wie man ein Uhrwerk aufzieht.

Als nach dem zwölften Schlag mit dem 24. Dezember der Heilige Abend angebrochen war, drehte sich die Wetterfahne leise.

Das Herz des Advent im Innern der Kirche schlug laut und deutlich.

Den Dachstuhl füllte leises Surren.
   
Dann begann die Spieluhr am Schloss in der Drosselgasse einen Ton zu schlagen.

Ihr anwortete erst ein Spielwerk im Musikkabinett, die Kirchturmuhr von Eibingen, kleine und große Glocken, und sogar die eine oder andere Türklingel.

Die Glocken von Jakobus schlugen den Takt, und ein Lied füllte die Luft.

'Gloh-oh-oh-oh-ooh - oh - oh - oh - ooh - oh - oh - oh - oh - oohria...'

Die Aufgabe der Wichtel war erfüllt. 

Weihnachten hatte begonnen.

...

Und als Carlsson und Laila zurück gingen, und Musik die Luft erfüllte, sprachen beide:

'Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen.
die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Frieden auf Erden bei den Menschen,
die guten Willen haben...'

...


Frohe Weihnachten.